Es beschreibt den allgemeinen Proteinstatus eines Produkts und ist vor allem in der Futterrezeptur ein wichtiger Bezugswert.

Der Rohproteingehalt allein erklärt jedoch weder die tatsächliche Proteinqualität eines Futters noch den Proteinbedarf des Tieres. Für eine richtige Bewertung müssen auch die Aminosäurestruktur, die übrigen Nährstoffe sowie Tierart und Produktionsphase berücksichtigt werden.

Was bedeutet Rohprotein?

Rohprotein ist ein Wert, der in der Futtermittelanalyse aus dem Gesamtstickstoffgehalt des Produkts berechnet wird.

Der Begriff „Rohprotein“ bedeutet daher nicht, dass alle im Produkt enthaltenen Proteine vom Tier gleichermaßen genutzt werden können. Das Analyseergebnis liefert vor allem einen standardisierten Indikator für den Protein- und Stickstoffgehalt des Produkts.

Beim Vergleich von Futtermittelrohstoffen und in der Mischfutterrezeptur ist dieser Wert ein wichtiger Ausgangspunkt.

Warum ist Protein im Futter wichtig?

Protein ist einer der grundlegenden Nährstoffe, die für das Wachstum der Tiere, den Aufbau und die Erneuerung von Gewebe, die Bildung von Enzymen und Hormonen sowie für verschiedene Lebensfunktionen nötig sind.

Der Proteinbedarf eines Tieres kann je nach Art, Alter, Lebendgewicht und Produktionsphase variieren.

So ist der Nährstoffbedarf eines Tieres im Wachstum nicht derselbe wie der eines Tieres in der Hochleistungsphase. In der Futterrezeptur reicht es daher nicht, nur einen festen Proteinanteil anzustreben.

Ist Futter mit höherem Rohproteingehalt besser?

Nein.

Ein höherer Rohproteingehalt eines Futters oder Rohstoffs bedeutet nicht in jedem Fall, dass es besser ist.

Neben der Proteinmenge sind auch die Aminosäurestruktur des Proteins, die Verdaulichkeit des Rohstoffs, das Verhältnis zu anderen Nährstoffen und die Eignung des Futters für den Bedarf des Tieres wichtig.

So können zwei Futtermittelrohstoffe einen ähnlichen Rohproteingehalt, aber unterschiedliche Aminosäureprofile und Energiewerte haben. Sie werden in der Rezeptur dann nicht unbedingt gleich eingesetzt.

Warum sind Aminosäuren wichtig?

Proteine bestehen aus Aminosäuren. Nicht alle Aminosäuren, die Tiere benötigen, können im Körper gleichermaßen oder in ausreichender Menge gebildet werden.

Bei der Bewertung eines Futters sind daher neben der Gesamtproteinmenge auch Menge und Balance der Aminosäuren wichtig.

Vor allem bei Geflügel und Hochleistungstieren erfordert die Bewertung der Proteinqualität einen umfassenderen Ansatz als den bloßen Blick auf den Rohproteingehalt.

Der Zusammenhang zwischen Rohprotein und Futterrezeptur

Bei der Herstellung von Mischfutter werden verschiedene Rohstoffe kombiniert, um die angestrebten Nährwerte zu erreichen.

Proteinquellen sind ein wichtiger Teil dieser Rezeptur. Rohstoffe wie Sojakuchen oder Sonnenblumenkuchen unterscheiden sich in ihrem Proteingehalt und Nährstoffprofil.

In der Rezeptur werden nicht nur die Proteinmengen dieser Rohstoffe, sondern auch Energie, Rohfaser, Fett, Aminosäureprofil und weitere Eigenschaften gemeinsam betrachtet.

Ziel ist nicht, einen einzelnen Rohstoff in möglichst hohem Anteil einzusetzen, sondern ein ausgewogenes Futter für den Bedarf des Tieres zu schaffen.

Welche Faktoren können den Rohproteingehalt beeinflussen?

Der Rohproteinwert eines Futtermittelrohstoffs kann abhängig sein von

  • der Sorte des Produkts,
  • den Anbaubedingungen,
  • dem Erntezeitpunkt,
  • dem Verarbeitungsverfahren,
  • dem Anteil verschiedener Pflanzenteile,
  • den Lagerbedingungen.

Deshalb ist nicht zu erwarten, dass zwei Partien mit derselben Bezeichnung genau dieselben Analyseergebnisse haben.

Gerade bei Handelseinkäufen ist es für Rezeptur und Qualitätsbewertung wichtig, das tatsächliche Analyseergebnis des Produkts zu berücksichtigen.

Rohprotein in Soja- und Sonnenblumenkuchen

Sojakuchen und Sonnenblumenkuchen gehören zu den wichtigen Proteinquellen der Futtermittelbranche. Die beiden Produkte unterscheiden sich jedoch nicht nur im Proteingehalt, sondern auch in Rohfaser, Fett, Aminosäurestruktur und anderen Nährstoffeigenschaften.

Wird ein Rohstoff durch einen anderen ersetzt, reicht es daher nicht, nur den Rohproteinanteil anzugleichen.

Die Rezeptur sollte unter Berücksichtigung aller Nährstoffeigenschaften des Produkts und des Bedarfs des Tieres erstellt werden.

Rohprotein in Bio-Futter

Auch bei Bio-Futter ist Rohprotein einer der grundlegenden Parameter der Nährwertbewertung.

Bei der Bewertung eines Bio-Futters ist neben dem Proteingehalt jedoch auch wichtig, dass die verwendeten Rohstoffe die Anforderungen der ökologischen Erzeugung und Beschaffung erfüllen.

Ein hoher Proteingehalt allein bedeutet daher nicht, dass ein Produkt für eine Bio-Futterrezeptur geeignet ist. Neben dem Nährwert sollten auch Herkunft und Konformität mit den einschlägigen Bio-Anforderungen geprüft werden.

Zusammenfassung

Rohprotein ist einer der grundlegenden Analysewerte zur Bewertung von Futter und Futtermittelrohstoffen. Allein zeigt er jedoch weder die Qualität eines Futters noch den Proteinbedarf des Tieres.

Für eine richtige Bewertung sollte der Rohproteinwert zusammen mit Aminosäureprofil, Energie, Rohfaser, Fett, Verdaulichkeit, Tierart und Produktionsphase betrachtet werden.

Ziel der Futterrezeptur ist daher nicht nur ein hoher Proteingehalt, sondern eine ausgewogene Nährstoffstruktur, die dem Bedarf des Tieres entspricht.