Für Wachstum, Gewebeaufbau, Regeneration und verschiedene Stoffwechselvorgänge benötigen Tiere unterschiedliche Aminosäuren.
Bei der Bewertung des Proteinwerts eines Futters reicht es daher nicht, nur den Rohproteingehalt zu betrachten. Wichtig ist auch, welche Aminosäuren das Protein in welcher Menge liefert.

Der Zusammenhang zwischen Aminosäuren und Protein
Proteine bestehen aus Aminosäuren.
Der Rohproteingehalt eines Futters ist ein allgemeiner Indikator für den Gesamtproteingehalt des Produkts. Zwei Futtermittelrohstoffe mit gleichem Rohproteingehalt können sich jedoch in ihrem Aminosäuregehalt unterscheiden.
Deshalb wird vor allem in der Mischfutterrezeptur neben der Proteinmenge auch das Aminosäureprofil berücksichtigt.
Was ist eine essenzielle Aminosäure?
Einen Teil der benötigten Aminosäuren können Tiere im Körper nicht in ausreichender Menge bzw. nicht bedarfsdeckend bilden. Diese müssen über das Futter zugeführt werden.
Diese Aminosäuren sind für die Fütterung besonders wichtig und werden bei der Rationsgestaltung gesondert berücksichtigt.
Welche Aminosäuren wichtig sind und wie hoch der Bedarf ist, kann je nach Tierart variieren.
Warum sind Lysin und Methionin wichtig?
Lysin und Methionin gehören zu den grundlegenden Aminosäuren, die vor allem in der Rezeptur von Geflügelfutter häufig bewertet werden.
Lysin ist eine wichtige Aminosäure für das Wachstum und vor allem für den Aufbau von Körperprotein.
Methionin ist neben der Proteinsynthese an verschiedenen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Als schwefelhaltige Aminosäure hat es zudem andere Eigenschaften als die übrigen Aminosäuren.
Im Geflügelfutter ist daher nicht nur der Rohproteingehalt wichtig, sondern auch eine ausreichende und ausgewogene Versorgung mit Aminosäuren wie Lysin und Methionin.

Sind bei hohem Rohprotein auch die Aminosäuren ausreichend?
Nein.
Ein hoher Rohproteingehalt eines Futtermittelrohstoffs bedeutet nicht, dass er alle vom Tier benötigten Aminosäuren in ausreichender Menge liefert.
Proteinquellen können unterschiedliche Aminosäureprofile haben.
So können sich bei zwei Rohstoffen mit ähnlichem Rohproteingehalt die Mengen an Lysin, Methionin oder anderen Aminosäuren unterscheiden. In der Futterrezeptur wird daher auch die Beschaffenheit der Proteinquelle berücksichtigt.
Aminosäurebalance in der Futterrezeptur
Ziel bei der Herstellung von Mischfutter ist nicht nur, proteinreiche Rohstoffe zu kombinieren.
Die Aminosäuren, die das Tier je nach Art, Alter, Lebendgewicht und Produktionsphase benötigt, müssen in geeigneter Höhe bereitgestellt werden.
Deshalb können verschiedene Proteinquellen gemeinsam eingesetzt und bei Bedarf die Gehalte bestimmter Aminosäuren in der Rezeptur gesondert eingestellt werden.
Der richtige Ansatz ist, Proteinmenge und Aminosäurestruktur gemeinsam zu bewerten.
Warum ist die Verdaulichkeit wichtig?
Dass ein Futter eine bestimmte Aminosäure enthält, bedeutet nicht, dass das Tier diese Aminosäure vollständig nutzen kann.
Wichtig ist auch, inwieweit die Aminosäuren vom Tier verdaut und verwertet werden.
In anspruchsvolleren Futterrezepturen können daher nicht nur die Gesamtaminosäuremengen, sondern auch Verfügbarkeit und Verdaulichkeit der Aminosäuren berücksichtigt werden.
Aminosäurebedarf bei verschiedenen Tieren
Der Aminosäurebedarf ist nicht bei allen Tieren gleich.
Der Protein- und Aminosäurebedarf von Masthähnchen, Legehennen, Milchrindern oder Masttieren unterscheidet sich je nach Art, Alter, Lebendgewicht und Produktionsphase.
So ist bei schnell wachsenden Masthähnchen die Aminosäurebalance wichtig für die Wachstumsleistung, während bei Legehennen die von der Eiproduktion geforderte Nährstoffbalance berücksichtigt wird.
Ob ein Futter hinsichtlich der Aminosäuren geeignet ist, sollte daher stets mit Blick auf das Tier bewertet werden, für das es hergestellt wurde.
Aminosäuren in Bio-Futter
Auch bei Bio-Futter muss der Protein- und Aminosäurebedarf des Tieres gedeckt werden.
Zusätzlich wird geprüft, ob die verwendeten Rohstoffe die Anforderungen der ökologischen Erzeugung und Beschaffung erfüllen.
In der Bio-Futterrezeptur sollten daher sowohl der Nährstoffbedarf des Tieres als auch die Konformität der Rohstoffe mit den einschlägigen Bio-Anforderungen gemeinsam betrachtet werden.
Zusammenfassung
Aminosäuren sind die Bausteine der Proteine und für die Tierernährung von grundlegender Bedeutung.
Der Rohproteingehalt ist ein wichtiger Indikator der Futterbewertung, reicht allein jedoch nicht aus. Insbesondere Menge und Balance grundlegender Aminosäuren wie Lysin und Methionin sind zu berücksichtigen.
Ziel einer richtigen Futterrezeptur ist weniger ein hoher Proteingehalt als eine Protein- und Aminosäurebalance, die zu Tierart und Produktionsphase passt.
